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Montag, 6. Juni 2016

Tag 21 - Mauern, Pflanzen, Reinigen

Soviel gab es kürzlich außerhalb des Mondsteinhofes zutun, dass nicht nur das Bloggen, sondern auch das wirkliche Sanieren ziemlich auf der Strecke blieb. Ein wenig haben wir allerdings dennoch erledigen können.

Zum einen haben wir es endlich mal in Angriff genommen den Spitzboden wirklich auch noch von den letzten Dreckresten zu befreien (solange im darunterliegenden Geschoss noch kein Fußboden ist). Eine Arbeit, die ich eigentlich eher für die kühleren Tage empfehlen würde.


Zum Anderen haben wir endlich mit dem Maueraustauschverfahren im Bad begonnen um die Horizontalsperre zu erneuern. Die initiale Scheu gegenüber dieser Tätigkeit war bei mir groß. Einfach die untersten Steine einer tragenden Wand heraus zu nehmen scheint auf den ersten Blick schließlich keine besonders gute Idee zu sein.
Letztendlich nahm ich aber all meine Jenga-Erfahrung zusammen und machte mich ans Werk.

Luft anhalten....


...steht noch.

Durch diese ermutigende Erfahrung bestärkt, ginge die nächsten 2 Steine leichter von der Hand und mittlerweile freue ich mich jedes mal sehr auf diese Arbeit. Mauern ist einfach ein großartiger Spaß. Ich überlege schon, was ich in unserem Garten irgendwann alles gemauert machen kann :)

Dem geschulten Auge ist vielleicht aufgefallen, dass wir uns für die unterste Steinreihe entschieden haben. Das hat zweierlei Gründe.
1: Es ist ja noch die alte (vermutlich beschädigte) Mauerwerkssperre vorhanden
2: Wir wussten nicht was wir taten und dachten wir sind mal ganz schlau und sperren die Feuchte, soweit es geht nach unten.

Für alle unter euch, denen diese Arbeit noch bevor steht: üblicherweise nimmt man wohl etwa die vierte Steinreihe heraus und legt die Sperrbahn auf die Dritte.
Weshalb ist uns erst bei der Arbeit aufgefallen (denken wir zumindest):


Der Pfeil zeigt die Fuge mit der alten Sperrschicht. Sieht man sich jetzt die Steinreihen darüber und darunter an, sind diese Reihen im sog. Läuferverband gemauert.
Bedeutet: alle Steine liegen auf der gleichen (größten) Fläche auf und der Betrachter sieht die lange Seite. Nur die Fugen zwischen den Steinen sind in jeder Reihe versetzt.

Schaut man nun die Reihe über der an, die wir heraus genommen haben, sieht man ein anderes Bild. Von jedem dritten Stein sieht man nur die kleinste Seite, den sog. Kopf (weiß eingekreist), da jeder dritte Stein quer liegt. Das ist der sog. wilde Verband.
In unserem zweischaligen Mauerwerk agieren diese quer liegenden Steine als Brücke zwischen beiden Mauern um einen stabilen Verbund zu erzeugen.
Da die Auflagefläche dieser Ziegel allgemein kleiner ist, verkippen sie gern mal, sobald man die Steinreihe unter ihnen entfernt und müssen beim Mauern wieder in die richtige Position geschoben werden.

Das ist unsere Erfahrung und Erklärung. Vielleicht ist das aber auch alles Quatsch. Wir lassen uns gern belehren.

Der Arbeitsablauf an sich ist dann im Grunde ziemlich easy.

- Steine entfernen (manuell mit Hammer und Meißel). In normalen Abschnitten etwa 50 cm, unter Fenstern darf es auch etwas mehr sein

- Wandzwischenraum ausräumen, Schmutz und Mörtelreste mit Drahtbürste und Handfeger entfernen

- entfernte Steine (falls unbeschädigt) ebenfalls von Schmutz und Mörtelresten befreien

- frischen Mörtel anmischen

-während der Reifezeit des Mörtels die Bitumenbahn zurechtschneiden (an genügend Überlappung denken)

- Mörtel nochmal gut durchrühren

-Sperrbahn in Mörtelbett einlegen

- entfernte Steine wieder vermauern

Das Zwischenergebnis sollte etwa so aussehen
Der Mörtel des ersten Stückchens muss nun ganz aushärten, bevor man mit dem nächsten Abschnitt weiter machen kann. Nach 3 Einsätzen sieht es also so aus:

Gute anderthalb Meter geschafft
Da wir ja wie gesagt ein zweischaliges Mauerwerk haben, müssen wir den ganzen Vorgang natürlich auch auf der Außenseite wiederholen. Bevor wir dazu übergehen können, müssten wir allerdings erstmal unseren "Haufen der Schande" beseitigen:

und tüchtig mähen
Die explosive Vegetation in unserem "Garten" hat auch eine andere arbeite ziemlich erschwert.
Am Wochenende durfte nämlich zwei übrig gebliebene Obstbäumchen in unseren Garten einziehen:

Eine kleine Kirsche und eine kleine Birne füllen jetzt die Lücke zwischen der Walnuss und den Pflaumenbäumen
Ab jetzt heißt es also: jeden zweiten Tag gießen und immer gleich ein Stück Horizontalsperre erneuern :)

Freitag, 8. April 2016

Tag 14 - Ein dreifach Hoch

Unter Tag 14 fassen wir im Grunde 3 Tage mit 3 wichtigen und wunderbaren Ereignissen zusammen.

Um wieder richtig in den Schaffensgeist zu kommen, haben wir uns für unseren vierzehnten Tag wiedermal schlagkräftige Unterstützung eingeladen.
Wieder ist es uns ein Bedürfnis erneut ein großes, flauschiges Danke auszusprechen.

Eine der wichtigsten Erfahrungen, die man mit so einem großen Projekt macht ist es wohl, dass man demütig (im besten Wortsinn) die Kraft einer Gemeinschaft erkennt.
Etwas, das in der heutigen Zeit von Anonymität, Unabhängigkeit und Hyper-Individualismus fast vergessen ist, auch wenn viele ältere Menschen davon zu berichten wissen.
Mir ist auch durchaus bewusst, wie nostalgisch und kitschig das alles klingt, aber man muss es wohl einfach erlebt haben.

Natürlich bin auch ich ein Kind dieser neuen Zeit.
Ich liebe meine Unabhängigkeit, manchmal auch meine Anonymität und bin oft auch gerne allein. Ich helfe zwar Anderen sehr gerne und kann schwer Nein sagen, habe aber gleichzeitig Schwierigkeiten um Hilfe zu bitten bzw. sogar angebotenen Hilfe anzunehmen. Weniger aus Stolz als dem Bedürfnis niemandem Umstände zu bereiten.
Ich trage meine Einkaufstüten selbst, rufe lieber den ADAC als mir von jemandem helfen zu lassen, den ich nicht bezahlt habe und mache es mir selber schwer.
Erkennt ihr euch ein wenig?

Nach  zwei Wochen Baustellenzeitrechnung kann ich aber sagen: Absoluter Unsinn.
Das schiere Ausmaß der Aufgaben, mit denen wir uns gerade auseinander setzen hat mich gewissermaßen herausgefordert über meinen pathologisch höflichen Schatten zu springen und einfach mal "Ja" zu sagen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und ich kann es nur Jedem empfehlen.
Nicht nur bei derartigen Riesenprojekten. Auch im Alltag. Immer.
Wir sollten zurückkehren zu unserer Gemeinschaftskultur.
Es ist in vielerlei Hinsicht so schön Hilfe anzunehmen. Ohne jetzt psychologisch werden zu wollen. Man hat nicht nur den direkten Effekt, dass besagte Aufgabe (in unserem Fall Bauarbeiten) schnell und effizient gelöst werden, sondern auch andere positive Nebeneffekte.
Man ist dankbar, hat ein gemeinschaftliches Erlebnis, wächst zusammen an besonderen Herausforderungen, fühlt sich sicher, weil man weiß, dass man sich auf andere verlassen kann und ist jedes mal wieder erstaunt, was man zusammen zu erreichen vermag.
Ich bin sicher unsere Freunde und Familien könnten die Welt regieren...oder sie zumindest ordentlich entkernen.  

Nun aber zurück zur Baustelle.

Die wirkliche 14

Bei mildem Frühlingswetter uns schönstem Sonnenschein widmeten sich mein Schwager und einer unserer hilfsbereiten, sportbegeisterten Freunde ihrem neuen Trainingsplan:

Die restlichen Bauten im Stall zu zertrümmern

Endgegner Schweinebucht
 
Wiedervereint: Team Räucherkammer
Am Ende des Tages präsentierte sich der Stall so:

Buchten weg

Stilles Örtchen und Taubenschalg weg
Das Alles war natürlich nur durch hervorragende Supervision möglich...


...und durch die treuen Dienste unseres offiziellen Baustellenhundes, der sich nicht nur um unsere Bewachung, sondern auch um die Entsorgung des Grünschnitts kümmerte.



Derweil beschäftigte sich unsere unermüdliche Heike weiter mit dem Nagelziehen.


Und half fleißig dabei mit uns das Wohnzimmer vom letzten Haufen Ziegelsteine zu befreien...


...und die letzten Reste der Speisekammer zu entfernen.



Richtig schmutzig wurde es im Spitzboden bzw. OG, als ich und unser gebeutelter junger Arzt die abgehängte Sauerkrautplatten-Decke (und damit auch alle Sedimente des Giebels) mit Karate-Kicks  ins Obergeschoss beförderten.

Flur im OG

Zwar nun ohne Decke, aber dafür mit doppeltem Boden

Dafür haben wir nun allerdings einen fast vollständig Sedimentfreien Spitzboden. Ein kleines Wunder, dass die Dachkonstruktion dieses Gewicht einfach getragen hat.

14.1 - Der Sachverständige


Nachdem wir den Mondsteinhof nun eigentlich komplett nackig gemacht hatten, war es an der Zeit erneut mit einem Sachverständigen über alles zu schauen, was wir zu Tage gefördert hatten. 
Einige Dinge bereiteten uns schon die ein oder andere Stirnfalte, wie beispielsweise der Ziegelstein, der beim Putzabschlagen ins Mauerwerk gerutscht war, die feuchte Wand im Flur, der Deckenbalken auf dem Fenstersturz oder der Riss im Boden auf dem Heuboden.

Auch unserem tollen Sachverständigen gilt hier nochmal unser wärmster Dank, dafür, dass er sich trotz Stress die Zeit für uns nimmt und uns mit Rat und Tat zur Seite steht. Für einen Kaffee. 

Lösen wir nun aber die wichtigsten Rätsel auf: 

Der lose Backstein

Er erweist sich sogar als Segen. Folgendes ist der Grund: 
Wie in den 30er und 40er Jahren zur Isolierung üblich, wurde unser Haus mit zweischaligem Mauerwerk errichtet. Bedeutet: Im Endeffekt haben wir zwei partiell verzahnte Mauern, mit einem kleinen Hohlraum dazwischen. Sozusagen ein Haus im Haus.

Source: http://bauservice-pfeil.de/wp-content/files_mf/cache/th_c1a0cb21b3f9eb26fae43776663a7964_Hohlschicht-Wand-2.jpg
Für uns ist das das absolut beste Szenario. Sicher habe ich bereits erwähnt, dass ich mich freuen würde, wenn das Haus irgendwann mal als Backsteinhaus ohne Außenputz dastehen könnte, was aber bedeuten würde, dass man eine aufwändige und Platzraubende Innendämmung der Wände hätte vornehmen müssen.
Durch das zweischalige Mauerwerk aber, haben wir jetzt die Möglichkeit zwischen den beiden Mauern eine Dämmung einblasen zu lassen.
Source: http://www.einblasdaemmung.de/_img/navigation/3-zweischaliges-mauerwerk_pic.jpg

Die feuchte Wand

Ist nicht besonders schön, aber leicht und kostengünstig zu beheben.
Vermutlich kommt die Feuchte durch eine defekte oder gänzlich fehlende Sperrschicht im Mauerwerk. 
Eine Sperrschicht ist eine Feuchtigkeitsundurchlässige Bahn aus Bitumen oder Kunststoff, die horizontal zwischen zwei Reihen von Mauersteinen verlegt wird um das Aufsteigen von Feuchte aus dem Erdreich zu verhindern. 
Source: https://t1.ftcdn.net/jpg/00/52/64/64/240_F_52646442_UT5Wcb1j82Jw97Bfvq1tn1O2sZ4VJeXd.jpg 
Wir werden unsere Mauern also trocken legen, indem wir einfach eine neue Sperrschicht im sog. "Maueraustauschverfahren" einbringen.
Dafür nehmen wir immer einige Ziegel aus der Mauer heraus, verlegen die Bahn und mauern wieder zu. Zeitintensiv aber mit läppischen Materialkosten für Mörtel und ein paar Rollen Bitumen. 

Auch alle weiteren etwaigen Problemstellen erwiesen sich als unproblematisch und das Haus in Gänze als "völlig unauffällig", was das Sachverständigen-Äquivalent von "problemlos" ist.

Unseren groben Arbeitsplan für die nächste Zeit haben wir ebenfalls aufgestellt.

- letzte Putzreste (z.B hinter den Sockelleisten) entfernen

- größere Lücken in den Schornsteinen zuspachteln (und neuen Wartungsklappen und Wandfutter einsetzen) 

- Wände trocken legen mittels "Maueraustauschverfahren" und in diesem Zuge den Boden der Hohlräume zwischen den Wänden auskehren, dass Dämmung einblasen lassen 

-Estrich im OG-Fußboden ausbessern o. Austauschen

- Fenster vermessen, bestellen und austauschen 

- einen Türsturz erneuern 

- Elektroinstallation 

- Erste Durchbrüche für Heizungs- und Wasserleitungen 

- Verputzen


14.2 - Die Zimmerer sind da


Gestern konnte ich auch gleich 6 Zimmerer auf dem Hof begrüßen. Innerhalb einer Stunde hatten Sie beide Pfetten repariert.

Nicht wahnsinnig schön, aber funktional und günstig



In den nächsten Tagen werden sie ein zweites Mal zu uns kommen und die fehlenden Kopfbänder einsetzen und den etwas angegangenen Deckenbalken vom Spitzboden austauschen.

Damit haben wir nun unser aller erstes Gewerk im Haus gehabt und sind froh über die Zuverlässigkeit und den fairen Preis.
Vergleichen lohnt sich! 



Nun freuen wir uns riesig auf die kommende Zeit und die nächsten Aufgaben. Mit jedem Handschlag wird die alte Rumpelbude mehr zu UNSEREM Haus. Magisch.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Tag 11 - Spiel mir das Lied vom Kot

Am elften Baustellentag war das Hauptthema - mal wieder - Kot. 
Die Sauerkrautplattendecke im Schlafzimmer musste weichen und natürlich leistete unser Haus erneut erbitterte Gegenwehr mit Biowaffen. 

Zu beginn gingen die Platten schlecht ab, aber die Menge an Schmutz war überschaubar...
...dann ließen sich zwar die Platten gut entfernen aber....

... man stand dafür knöcheltief im Mist.


Wir fragen uns wirklich mehrere Dinge.
1: Wie hat diese Deckenkonstruktion so lange und mit dieser Zusatzlast gehalten?
2: Wie und von wem wurde diese riesige Menge Exkrement hinterlassen?
und besonders:
3: Hat Kot gute Wärmedämmeigenschaften?

In der Beschaffenheit ist es einer Dämm-Schüttung ja nicht gerade unähnlich.


Besonders Punkt 2 bereitet uns Kopfzerbrechen.
Ein bisschen sieht man es auf diesen Bildern vielleicht:
Die Hinterlassenschaften sind mittelgroße Kringel. Wie von Vögeln. Keine Marderwürste, keine Mäuse oder Rattenkötel. Außerdem fanden sich mehrere Vogelskelette von der Größe junger Tauben oder ausgewachsener Legewachteln in der Zwischendecke.
Aber es wird doch wohl niemand Geflügel in einer abgehängten Decke halten?!

Ausmisten im Schlafzimmer bekommt eine völlig neue Bedeutung. 

Ich habe euch mal ein paar besonders aussagekräftige Spiralschisse eingekreist. Vielleicht habt ihr ja eine Idee, wer dieser mysteriöse Kreiskacker hätte sein können...


Im Übrigen war das auch die Decke mit dem unerklärlichen Loch, das über Nacht aufgetaucht war.
Wir erinnern uns:


Nun hatten wir Gelegenheit das Ergebnis unserer Flickarbeit auch von unten zu begutachten:

Kein Wunder, dass ein Döschen kaum expandierender Bauschaum keine Chance hatte...
Aber wie man ja so schön sagt: Ende gut, alles gut. Selten hat sich jemand mehr über den Mangel einer Decke im Schlafzimmer gefreut.
Nach gut 3 Stunden:

War das Zimmer deckenlos...

...und kotfrei.
Außerdem hatte die Hausherrin die Decke des Wohn-Esszimmers völlig entfernt: 

Schön, nicht wahr?
Und den Deckenabriss im Bad begonnen:

Sorgt euch übrigens nicht: die Wand im Hintergrund wird ohnehin erneuert und hat keine tragende Funktion.

Während eines Überraschungsbesuchs hat mein lieber Schwiegerpapa auch unsere ganzen Bäume in handliche, 50cm-Klötze zersägt. Ich hätte wirklich lust einen Holzhack-Tag einzulegen, doch es warten ja immer dringlichere Arbeiten.

So zum beispiel auch der heutige Besuch von Zimmermann Nummer 4.
Wieso 4? Nun, zum einen ist es immer von Vorteil verschiedene Angebote auf dem Tisch zu haben (wodurch wir bereits einen völligen Luftikus identifizieren konnten) und zum anderen...

Baustellen-Tipp: Man sollte mit dem Bestellen von Fachmännern immer bis zur (möglichst) abgeschlossenen Entkernung warten.

Wie erwähnt hatten wir ja im russischen Kinderzimmer noch eine Schadstelle am Dachstuhl entdeckt.
Zusätzlich dazu hat mich der gute Mann heute darauf hingewiesen, dass die Vorbesitzer irgendwann mal Querverstrebungen in den Kinderzimmern entfern haben (wohl um leichter die verfluchten Paneele anbringen zu können). Natürlich waren diese Streben aber nicht dekorativer Natur sondern zum Versteifen des Dachstuhls durchaus sinnvoll geplant und verbaut worden.

Kaltblütig abgeschnitten
 So fehlen uns sowohl im Kinderzimmer links...
Strebe 1
Strebe 2
 als auch im "russischen" Kinderzimmer je 2 Querverstrebungen.

Strebe 3

Strebe 4

Anscheinend ist auch die Mittelpfette von Bild "Strebe 1" ein ziemliches Problem. Dieser Balken trägt ja nicht nur die Last, des darübergebauten Spitzbodens, sondern auch die Last der Sparren und Dachhaut.
Um die Mittelpfette zu wechseln, müsste also der gesamte darauf lastende Dachteil abgestützt, in unserem Falle abgebaut werden. Auch der Mörtel zwischen unseren Ziegeln ist so sandig, dass sich laut unseres heute bestellten Experten eine komplette Erneuerung des Daches am ehesten lohnen würde.

Andererseits wollte er auch die "alte" beschadete Fußpfette im Taubenschlag komplett tauschen, was zwei andere Zimmermänner zuvor weniger kritisch gesehen hatten. Laut Ihrer Meinung sei das Problem mittelfristig durch eine Verstärkung mit Stahl oder Holz lösbar.
Wem soll man da glauben?

Wiederum haben wir natürlich gewusst, dass eine Dachsanierung ohnehin irgendwann kommen würde. Aber eben irgendwann. Wir hatten eher in 5 Jahren damit gerechnet. Vermutlich würde diese Maßnahme einen riesigen Teil, wenn nicht unser gesamtes momentanes Sanierungsbudget verschlingen. Allerdings macht es ja auch irgendwie Sinn sich vor dem Innenausbau um das Dach zu bemühen.

Nunja, warten wir die Begehung mit dem nächsten Fachmann und die betreffenden Angebote ab und überlegen dann weiter.
Aber irgendwie ist das schon ein bisschen Kot.



Samstag, 5. Dezember 2015

Zeitreisen in fremde Leben - Dachbodenfunde Teil 1

Neulich hatte ich, an einem nieseligen Tag, ein wenig Zeit allein im Haus und habe mich an etwas gemacht, das ich schon lange tun wollte: den Dachboden durchwühlen.
Leider haben die Verkäufer nach dem Tod der ehemaligen Besitzerin das Haus "professionell" räumen lassen, und so gibt es in unserem Spitzboden keine alten Möbel oder größere Schätze zu finden. Zwischen Staub, Federn und Marderkot findet sich aber doch das ein oder andere Kleinod (im ideellen Sinne).
Natürlich gab es nichts von tatsächlichem Wert zu entdecken, aber viele Charmante Kleinigkeiten. Winzige Fenster in ein fremdes "Damals" und leise Echos großer Gefühle.

Perfekte Ausrüstung für staubige dunkle Spitzböden: Stirnlampe, Mundschutz, Handschuhe (und warme Sachen helfen auch).

 Die erste süße Entdeckung hätte mir eigentlich schon längst auffallen sollen:
Unser kleines Giebelfenster wurde mit einem alten hölzernen (Spiegel-?) Rahmen verziert.

Die zweite Erkenntnis: Unser Marder scheint doch noch bei uns zu wohnen. Wir haben den kleinen Kerl noch nie zu Gesicht bekommen und dachten er wäre bereits ausgezogen. Scheinbar war das allerdings ein Irrtum.
Der erste Hinweis war ein rohes Ei, das ich vor einer Woche im Spitzboden entdeckt hatte. Damals dachte ich allerdings noch es sei ein antikes Überbleibsel.
Am Ende des Tages hatte ich vergessen, es mit hinunter zu nehmen, bei meinem jetzigen Besuch war es dennoch weg. Der zweite Hinweis war weniger dezent und vermutlich unerfreulich für einen unserer Nachbarn...

Flauschige Hühnerreste
Kein Wunder, dass so viel Poop überall liegt. Wer viel frit...

Momentan habe nichts gegen einen Marder im Haus. Er könnte sich nützlich machen und die Mäuschen in Schach halten (gegen die ich eigentlich auch nichts habe, solange sie keine Löcher in meinen Fußboden knabbern). Außerdem passt das doch recht gut zu der Eule, die unseren Heuboden bewohnt.
Bei unserem letzten, gescheiterten Versuch das Loch zu Stopfen, hat sich nach einer ganzen Weile plötzlich ein mächtiges, spindelförmiges Piepmätzchen aufgeschwungen und ist durch die Luke verschwunden. Ich konnte es nicht genau erkennen, aber die Tatsachen, dass es ein sehr großer, heller, einzelgängerischer, stiller Vogel war deutet auf eine (Schleier-)Eule hin. Genug Gewölle gibt es auch. Ich glaube das ist ein gutes Omen und ein Zeichen, dass der Heuboden irgendwann mal zur Bibliothek werden sollte ;)

Menagerie beiseite. Ich habe also die Bergungsarbeiten begonnen und auf einmal waren meine 2 Stunden auch schon um. Gefunden (und als bewahrenswert erachtet) habe ich bis jetzt folgendes:

Gesammelter Schruz der letzten 50 Jahre
Ich muss dazu sagen: meine Suche war noch nicht sonderlich gründlich.
Wir haben im Spitzboden geologisch gesehen zu Oberst eine Deckschicht aus alter Pappe und Linoleumresten, darunter folgt eine Kleinod-führende Schicht Staub/Dreck mit einer Mächtigkeit von etwa 5 cm, darunter kommen dann herausnehmbare schmale Bretter, die wie ein Lattenrost zwischen den Deckenbalken fungieren und zu Unterst natürlich wieder eine Schicht Staub und Dreck, in der sich ebenfalls kleine Dinge finden ließen. Letzte Schicht wurde in den aktuellen Untersuchungen nicht berücksichtigt und bedarf weiterer Untersuchungen im Fortgang des Projekts.  

Vermutlich war der Dachboden der bevorzugte Rückzugsort der 9 Kinder. Das Sammelsurium der Dinge lässt den Vergleich mit Elstern aufkommen, denn ein Muster der Auswahlkriterien lässt sich nicht erkennen.
Ich werde immer mal wieder Teile der Funde vorstellen, dann werdet ihr sehen was ich meine.
Beginnen wir heute mit drei meiner Lieblingsstücke...

1: Dieses 40 Jahre alte, herzzerreißende Zeugnis einer schwierigen Liebesgeschichte mit ungewissem Ausgang:
"Bei dir hakt's wohl aus..."

"Ich hoffe du fasst diesen Brief nicht falsch auf..."

Hach junge Liebe. In der Ignoranz meiner Generation, war mir nicht bewusst, dass diese blöden Abkürzungen schon früher existiert haben. Gut. Eine Sache weniger, die die Kinder der Neunziger verbockt haben.

2: Desweiteren gab es 4 zauberhafte Bestandteile eines Famos Märchenstempelsets (Nummer 563 um genau zu sein).

Froschkönig, Dornröschen, Sterntaler und Rotkäppchen
In Gänze hätte das Set wohl so ausgesehen:
Quelle: http://i.ebayimg.com/t/DDR-FAMOS-Maerchen-Stempel-Nr-563-Spiel-Ostalgie-Kult-Stempelspiel-/00/s/MTYwMFgxMjAw/z/meEAAOSwFnFWAUg1/$_57.JPG

Zu guter letzt 3: Eine wundervolle alte Türklinke, die ich hoffentlich wieder ein wenig aufpolieren kann. Mit ganz viel Glück finden wir den passenden Beschlag auch noch irgendwo.

Vermutlich das älteste Fundstück. Bestimmt sogar älter als das Haus.

Soweit zum ersten Teil unserer neuen Rubrik.
Übringens werden wir die persönlichen Sachen natürlich an die Verkäufer weitergeben. Vielleicht triggert es ja die eine oder andere gute Erinnerung oder sorgt zumindest für ein Schmunzeln.

Goldgräbergrüße,

eure Wühlratte